Hergestellt in Deutschland bedeutet nicht das, was Sie denken: Die Wahrheit über Tiefkühlgerichte

Die Tiefkühltruhe im Supermarkt quillt über vor verlockenden Angeboten: Lasagne, Currys, Pfannengerichte und Pizza – alles schnell zubereitet und scheinbar praktisch. Doch wer genau hinschaut, stellt fest, dass die Herkunftsangaben oft fehlen oder rätselhaft bleiben. Während auf der Vorderseite appetitliche Bilder von frischem Gemüse und saftigem Fleisch prangen, verstecken sich auf der Rückseite häufig nur vage Formulierungen wie „hergestellt in Deutschland“ – was keineswegs bedeutet, dass die Rohstoffe ebenfalls aus Deutschland stammen.

Eine Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Bayern bringt das Ausmaß der Intransparenz ans Licht: Nur auf jedem dritten Tiefkühlprodukt ist die Herkunft der Hauptzutaten überhaupt angegeben. Bei 52 untersuchten Produkten aus den Bereichen Obst, Gemüse und Fertiggerichte mit Hähnchenfleisch trug lediglich ein Drittel freiwillige Herkunftsangaben auf der Verpackung. Die restlichen zwei Drittel lassen Verbraucher im Unklaren darüber, woher ihre Lebensmittel tatsächlich kommen.

Der Unterschied zwischen Produktionsort und Rohstoffherkunft

Viele Verbraucher verwechseln die Angabe „hergestellt in“ mit der tatsächlichen Herkunft der Lebensmittel. Ein Tiefkühlfertiggericht kann durchaus in Deutschland produziert werden, während das Hähnchenfleisch aus Brasilien oder Thailand, das Gemüse aus verschiedenen Ländern und die Gewürze aus asiatischen Regionen stammen. Die Realität in den Tiefkühltruhen bestätigt diese Praxis: Das Hähnchenfleisch in Fertiggerichten stammt nicht selten aus Thailand oder Brasilien, manchmal auch aus europäischen Ländern wie Polen, Rumänien, den Niederlanden oder Belgien.

Die Lebensmittelinformationsverordnung schreibt zwar für bestimmte Einzelprodukte wie frisches Fleisch klare Herkunftskennzeichnungen vor, bei verarbeiteten Fertiggerichten gelten diese strengen Vorgaben jedoch nicht. Diese Regelungslücke nutzen Hersteller systematisch aus. Während ein einzelnes Stück Schweinefleisch die Aufzucht- und Schlachtregion ausweisen muss, verschwindet diese Transparenz, sobald dasselbe Fleisch in einem Fertiggericht landet. Je stärker ein Produkt verarbeitet ist, desto weniger erfahren Käufer über dessen eigentliche Herkunft.

Warum die Herkunft bei Tiefkühlkost besonders relevant ist

Gesundheitsbewusste Verbraucher haben gute Gründe, sich für die Herkunft zu interessieren. Die Standards in der Lebensmittelproduktion unterscheiden sich weltweit erheblich. Während in der Europäischen Union strenge Grenzwerte für Pestizide, Antibiotika und andere Rückstände gelten, sieht es in vielen Drittländern anders aus. Importierte Rohstoffe können Substanzen enthalten, die hierzulande längst verboten sind.

Hinzu kommt die Frage der Tierhaltung. Europäische Vorschriften mögen nicht perfekt sein, setzen aber deutlich höhere Mindeststandards als viele außereuropäische Produktionsländer. Wer Wert auf artgerechtere Haltung legt, sollte wissen, woher das Fleisch in der Tiefkühlpizza oder dem Auflauf stammt – diese Information wird jedoch systematisch verschleiert. Die Herkunft beeinflusst nicht nur die Qualität, sondern auch die Umweltbilanz. Ein Fertiggericht mit Zutaten von drei Kontinenten hat eine völlig andere CO2-Bilanz als eines mit regionalen Rohstoffen.

Woher die Zutaten wirklich kommen

Die Herstellerbefragung der Verbraucherzentrale Bayern offenbart interessante Muster bei der Herkunft verschiedener Produktgruppen. Bei tiefgekühlten Erdbeeren zeigt sich ein eindeutiges Bild: Die Früchte stammen überwiegend aus Polen, Ägypten, Marokko oder der Türkei. Besonders bemerkenswert ist, dass in der Untersuchung kein einziges Erdbeer-Produkt aus Deutschland kam, obwohl deutsche Erdbeeren für ihre Qualität bekannt sind.

Anders sieht es bei Erbsen aus. Hier beziehen Anbieter die Rohware überwiegend aus Deutschland oder angrenzenden EU-Ländern wie den Niederlanden und Belgien. Diese regionale Beschaffung hat nachvollziehbare Gründe: Erbsen müssen für optimale Qualität sehr schnell nach der Ernte verarbeitet werden, was lange Transportwege unpraktisch macht. Die Nachfrage nach Fertiggerichten wächst stetig, und die Produktion in Deutschland gestiegen ist – ein Trend, der die Dringlichkeit transparenter Kennzeichnungen unterstreicht.

Wo sich Herkunftsangaben verstecken

Wer sich die Mühe macht, die kleingedruckten Zutatenlisten zu studieren, findet manchmal Hinweise. Formulierungen wie „aus EU- und Nicht-EU-Landwirtschaft“ sind rechtlich korrekt, für den Verbraucher aber praktisch wertlos. Diese Angabe bedeutet schlicht: Die Zutaten können von überall stammen. Ähnlich nichtssagend sind Begriffe wie „verschiedene Herkünfte“ oder „internationale Produktion“.

Manche Hersteller geben freiwillig konkretere Informationen, etwa „Rindfleisch aus Frankreich“ oder „Gemüse aus deutschem Anbau“. Solche Angaben sind ein positives Zeichen, bleiben aber die Ausnahme. Die Befragung der Verbraucherzentrale zeigt, dass nur zwei von 20 befragten Herstellern für alle ihre Produkte das Ursprungsland der Zutaten angeben. Zehn Hersteller lehnten sogar ab, sich vorzustellen, zukünftig freiwillig die Herkunft anzugeben.

Strategien für bewussten Einkauf trotz fehlender Transparenz

Trotz der schwierigen Informationslage gibt es Möglichkeiten, zumindest teilweise informierte Entscheidungen zu treffen. Ein Blick auf die Zutatenliste verrät viel: Je kürzer und verständlicher sie ist, desto höher ist meist die Qualität. Produkte mit endlosen Zusatzstoffen und unaussprechlichen Begriffen deuten auf hochverarbeitete Zutaten hin, die häufig aus kostengünstigen, internationalen Quellen stammen.

Die Preisspanne gibt ebenfalls Hinweise. Ein Fertiggericht zum Discountpreis kann kaum hochwertige, regionale Zutaten enthalten – die Produktionskosten würden nicht aufgehen. Wer bereit ist, mehr zu zahlen, erhöht die Wahrscheinlichkeit für bessere Rohstoffe, auch wenn Gewissheit ohne klare Deklaration unmöglich bleibt. Verschiedene Qualitätssiegel versprechen Orientierung, doch nicht alle halten, was sie suggerieren. Während staatlich kontrollierte Bio-Siegel tatsächlich nachvollziehbare Standards garantieren, sind viele Eigenmarken-Siegel kaum mehr als Marketinginstrumente.

Die Verantwortung liegt nicht nur beim Verbraucher

Es wäre falsch, die gesamte Last informierter Kaufentscheidungen den Konsumenten aufzubürden. Die Kennzeichnungspflichten für Fertiggerichte sind unzureichend und müssen dringend verschärft werden. Während für frische Obst- und Gemüsearten eine Herkunftskennzeichnungspflicht besteht, entfällt diese bei tiefgefrorenem Obst und Gemüse. Auch bei verarbeitetem Fleisch ist eine Herkunftsangabe nicht zwingend vorgeschrieben.

Andere europäische Länder gehen bereits voran und verlangen detailliertere Herkunftsangaben auch bei verarbeiteten Produkten. Bis sich die Gesetzeslage ändert, bleibt Verbrauchern nur die Möglichkeit, durch ihr Kaufverhalten Druck auszuüben. Hersteller, die freiwillig transparent kennzeichnen, verdienen Unterstützung. Unternehmen, die bewusst verschleiern, sollten gemieden werden. Leider setzt diese Strategie voraus, dass überhaupt Alternativen verfügbar sind – in der Praxis ist die Auswahl transparent deklarierter Tiefkühlfertiggerichte verschwindend gering.

Praktische Alternativen für den Alltag

Die sicherste Methode bleibt das Selbstkochen mit frischen, klar gekennzeichneten Einzelzutaten. Das erfordert zwar mehr Zeit, ermöglicht aber vollständige Kontrolle über Herkunft und Qualität. Meal-Prep-Strategien, bei denen größere Mengen vorgekocht und selbst eingefroren werden, kombinieren die Bequemlichkeit von Tiefkühlkost mit der Transparenz frischer Lebensmittel.

Für Situationen, in denen Fertiggerichte unverzichtbar scheinen, lohnt sich der Vergleich verschiedener Anbieter. Manche kleinere Produzenten setzen bewusst auf Regionalität und machen diese zum Verkaufsargument – auch wenn sie dafür höhere Preise verlangen. Die Mehrkosten können sich für gesundheitsbewusste Verbraucher durchaus lohnen, insbesondere wenn man bedenkt, welche versteckten Kosten billige Massenware mit sich bringt. Die Herkunftsfrage bei Tiefkühlfertiggerichten bleibt ein Ärgernis für alle, die wissen möchten, was sie essen. Solange die Industrie nicht zu mehr Transparenz verpflichtet wird, müssen Verbraucher kreativ werden, kritisch bleiben und notfalls auf weniger praktische, dafür aber nachvollziehbare Alternativen ausweichen.

Woher stammt das Hähnchen in deiner Tiefkühl-Lasagne?
Keine Ahnung ehrlich gesagt
Deutschland natürlich
Steht doch drauf oder
Vermutlich aus Asien
Ist mir eigentlich egal

Schreibe einen Kommentar