Dein Senior-Hund nimmt zu, obwohl du nichts verändert hast – diese Nährstoffe braucht er jetzt wirklich

Wenn unsere treuen Begleiter in die Jahre kommen, verändert sich ihr Körper auf vielfältige Weise. Die einst so agilen Vierbeiner bewegen sich bedächtiger, schlafen mehr und zeigen deutlich, dass das Alter seine Spuren hinterlässt. Besonders der Stoffwechsel verlangsamt sich erheblich – eine Tatsache, die viele Hundehalter unterschätzen. Gleichzeitig steigt das Risiko für Übergewicht dramatisch an, während die Organe bereits auf Hochtouren arbeiten müssen, um ihre Funktionen aufrechtzuerhalten. Diese paradoxe Situation erfordert ein grundlegendes Umdenken in der Fütterung.

Der verlangsamte Stoffwechsel: Wenn weniger plötzlich zu viel wird

Ab einem Alter von etwa sieben Jahren – bei großen Rassen bereits früher – beginnt der Organismus unserer Hunde, seinen Energieverbrauch zu drosseln. Der Grundumsatz kann bei Senioren je nach Aktivitätsniveau um 10 bis 25 Prozent sinken. Was bedeutet das konkret? Ein Hund, der früher 1.200 Kilokalorien pro Tag benötigte, kommt nun mit etwa 900 bis 1.080 Kilokalorien aus – eine erhebliche Differenz, die viele Halter unterschätzen.

Das eigentliche Drama spielt sich jedoch auf zellulärer Ebene ab. Die Mitochondrien, jene winzigen Kraftwerke in unseren Zellen, arbeiten weniger effizient. Der Körper baut Muskelmasse ab und ersetzt sie schleichend durch Fettgewebe. Dieser Prozess, in der Fachsprache Sarkopenie genannt, verstärkt die Gewichtsproblematik zusätzlich: Muskeln verbrennen Energie, Fett speichert sie. Mit fortschreitendem Alter werden abgestorbene Zellen durch Bindegewebe und später durch Fettgewebe ersetzt – ein natürlicher, aber folgenschwerer Vorgang.

Die tückische Spirale: Übergewicht und Gelenkprobleme

Jedes zusätzliche Kilogramm belastet die bereits strapazierten Gelenke unserer Senioren. Arthrose, Hüftdysplasie oder Spondylose – Erkrankungen, die bei älteren Hunden erschreckend häufig auftreten – werden durch Übergewicht massiv verschlimmert. Die zusätzlichen Pfunde verstärken die Belastung auf Knorpel und Knochen, was Schmerzen und Bewegungseinschränkungen deutlich verschlimmert.

Doch hier liegt die Krux: Bewegung würde helfen, doch schmerzende Gelenke verhindern genau diese. Der Hund bewegt sich weniger, nimmt weiter zu, die Gelenke leiden stärker. Ein Teufelskreis, der sich nur durch gezielte Ernährungsanpassungen durchbrechen lässt.

Nährstoffdichte statt Kalorienflut: Die Lösung liegt in der Qualität

Die Ernährung alter Hunde erfordert einen Balanceakt: Weniger Kalorien bei gleichzeitig höherer Nährstoffdichte. Proteine spielen dabei eine Schlüsselrolle, allerdings nicht irgendwelche. Hochwertige, leicht verdauliche Proteinquellen wie Huhn, Pute oder Fisch sollten die Basis bilden. Der Proteinbedarf älterer Hunde ist komplex: Einerseits wird das zugeführte Protein weniger effizient verwertet, andererseits müssen Nieren und Leber geschont werden.

Die richtige Proteinmenge hängt stark von der individuellen Nierenfunktion ab und sollte tierärztlich überprüft werden. Viele Experten empfehlen für gesunde Senioren einen Proteingehalt von etwa 20 bis 23 Prozent in der Trockenmasse. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine weitere Anpassung notwendig sein. Entscheidend ist dabei immer die biologische Wertigkeit: Der Körper muss das Protein effizient verwerten können, ohne die Organe unnötig zu belasten.

Fette: Der unterschätzte Faktor

Fett liefert mehr als doppelt so viele Kalorien wie Protein oder Kohlenhydrate. Bei Senioren sollte der Fettgehalt daher auf 10 bis 15 Prozent reduziert werden. Doch Vorsicht: Qualität schlägt auch hier Quantität. Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl wirken entzündungshemmend und unterstützen die Gelenkgesundheit. EPA und DHA, die beiden wichtigsten Omega-3-Fettsäuren, können Arthrose-Symptome lindern und die Beweglichkeit verbessern.

Gelenke gezielt unterstützen: Mehr als nur Glucosamin

Glucosamin und Chondroitin gelten als Standardzusätze für Gelenkprobleme. Doch die Wissenschaft geht weiter. Grünlippmuschelpulver aus Neuseeland enthält natürliche Glykosaminoglykane und hat sich in der Praxis bewährt. Die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken synergistisch mit den Knorpelbausteinen und können Entzündungsprozesse in den Gelenken reduzieren.

MSM (Methylsulfonylmethan) liefert organischen Schwefel, der für die Kollagenbildung essentiell ist. Kollagen wiederum bildet das Grundgerüst von Knorpel, Sehnen und Bändern. Eine Kombination aus diesen Stoffen plus Hyaluronsäure kann die Gelenkfunktion spürbar verbessern und Schmerzen reduzieren.

Organfunktionen schützen: Die stille Priorität

Nieren, Leber und Herz arbeiten im Alter an ihrer Leistungsgrenze. Aktuelle Forschungen zeigen, dass die Nierengesundheit ein wichtiger Schlüssel zum biologischen Alter unserer Hunde ist. Phosphor muss streng kontrolliert werden, da erhöhte Werte die Nierenfunktion weiter verschlechtern. Der Phosphorgehalt sollte 0,8 Prozent in der Trockenmasse nicht überschreiten. Gleichzeitig benötigen die Nieren ausreichend Feuchtigkeit – ein Argument für Nassfutter oder eingeweichte Trockennahrung.

Die Leber profitiert von Antioxidantien wie Vitamin E, Selen und sekundären Pflanzenstoffen aus Beeren oder Grünkohl. Diese Stoffe neutralisieren freie Radikale und entlasten das wichtigste Entgiftungsorgan. L-Carnitin unterstützt zusätzlich den Fettstoffwechsel und schützt die Herzfunktion, während es gleichzeitig den Erhalt der Muskelmasse fördert.

Verdaulichkeit: Der oft ignorierte Gamechanger

Ein Senior-Hund produziert weniger Verdauungsenzyme, die Magensäure ist weniger konzentriert, die Darmbewegung verlangsamt. Rohfaser sollte in moderaten Mengen vorhanden sein – etwa 3 bis 5 Prozent. Zu viel belastet den Darm, zu wenig führt zu Verstopfung. Präbiotika wie Inulin oder FOS (Fructooligosaccharide) fördern die gesunde Darmflora, die bei Senioren häufig aus dem Gleichgewicht gerät.

Probiotische Bakterienstämme wie Lactobacillus acidophilus oder Enterococcus faecium können die Nährstoffaufnahme verbessern und das Immunsystem stärken – 70 Prozent der Immunzellen sitzen im Darm, was die Bedeutung einer gesunden Darmflora unterstreicht.

Praktische Fütterungsstrategie

Teilen Sie die Tagesration in drei bis vier kleinere Mahlzeiten auf. Dies entlastet den Stoffwechsel und hält den Blutzuckerspiegel stabil. Wiegen Sie Ihren Hund alle zwei Wochen – ein schleichender Gewichtsanstieg bleibt sonst oft unbemerkt. Als Faustregel gilt: Man sollte die Rippen bei leichtem Druck ertasten können, ohne sie sehen zu müssen. Die wichtigsten Punkte für den Alltag:

  • Vermeiden Sie Leckerlis mit leeren Kalorien und setzen Sie auf Gemüsesticks wie Karotten oder Gurken, kleine Mengen mageres Fleisch oder speziell formulierte Seniorleckerlis
  • Rechnen Sie Belohnungen immer in die Tageskalorienmenge ein und passen Sie die Hauptmahlzeiten entsprechend an

Individuelle Anpassung: Kein Hund gleicht dem anderen

Ein Labrador mit Hüftdysplasie hat andere Bedürfnisse als ein herzkranker Dackel. Regelmäßige Blutuntersuchungen – idealerweise halbjährlich – geben Aufschluss über Nieren-, Leber- und Schilddrüsenwerte. Diese Daten sollten die Futterauswahl maßgeblich beeinflussen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird phosphor- und proteinreduziertes Futter nötig. Herzpatienten profitieren von natriumarmer Kost und erhöhten Taurin-Gaben. Diabetiker benötigen komplexe Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index. Die individuelle tierärztliche Einschätzung basierend auf Blutuntersuchungen ist hier unerlässlich.

Die Ernährung unserer älteren Hunde ist weit mehr als bloße Sättigung. Sie ist Medizin, Lebensqualität und Ausdruck unserer Fürsorge. Jeder Tag, an dem wir ihnen durch optimale Ernährung Schmerzen ersparen und Vitalität schenken, ist ein Geschenk – eine kleine Rückzahlung für die bedingungslose Liebe, die sie uns ein Leben lang gegeben haben. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind da, die Produkte verfügbar. Es liegt an uns, diese Chance zu nutzen und unseren grauschnäuzigen Freunden den Lebensabend zu bereiten, den sie verdienen.

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